Tragische Liebhaber, jugendliche Salondamen, humoristische Väter, bedeutende Chargen: aufgepasst!
Wer von euch den jugendlichen Eifer aufbringt, gesellschaftlichen Problemen furchtlos ins Auge zu blicken und des Nachts mit Stift und Papier bewaffnet die Welt aus den Angeln zu heben versucht, der/die sollte nicht vergessen seine/ihre wohlformulierten Reden vor Besuch von „Hamlet“ noch einmal zu studieren...
„Hamlet“ ist jung, feurig, gnadenlos und sensibel zugleich. Es wirkt unvorstellbar, dass dieser Stoff im Englischunterricht als langweilig empfunden werden konnte! Zu dieser Differenz könnte beitragen, dass zumeist der Punkt Politik im Mittelpunkt steht, vor Ungerechtigkeit trieft und durch die Übermacht eines Einzelnen eine Lähmung, ja, eine Art Politikverdrossenheit aufkommt.
Im Malersaal ist die Liebe zwischen dem Prinzen von Dänemark und der Tochter des Oberkämmerers der Aufhänger und sie wirkt erstmals glaubwürdig. Eine zarte, schöne Liebe, leicht wie die Flügel eines Schmetterlings, der vom Wind ergriffen und zerfetzt wird.
Gleich zu Anfang bereitet die Zweisamkeit der Liebenden einen paradiesischen Beginn, den man als himmlisches Kleinod in Bernstein einschließen, für die Ewigkeit bewahren möchte. Sie wird hingegen der Zerstörung durch Machtgelüste erliegen.
Die Gefühle wirken überwältigend authentisch, da vor allem die Hauptdarsteller Thorsten Hierse und Nadine Schwitter mit eindringlichem Spiel brillieren.
Das Stück gewinnt daran, dass die Figur der Ophelia ein erstaunlich hohes Maß an Selbstbewusstsein an den Tag legt, sie Humor beweist und scherzen kann, obwohl sie in familiär-patriarchalische Strukturen eingebunden ist. Ebenso bereichernd ist die schier nicht zu bändigende Energie mit der Thorsten Hirse Hamlet beflügelt.
Für dieses reiche Spiel bietet der Malersaal die optimale Bühne. Dank der „Nahaufnahmen“ ist hinter dem Pathos die menschliche Zerbrechlichkeit zu erkennen.
Die melancholische, dunkelschöne Musik schenkt die letzte Nuance, die einen ins Schwärmen für diese Inszenierung bringt – die ihr etwas, wie eine Seele schenkt.
So sitzt man zwei Stunden in dem kleinen Raum, emotional mehr und mehr aufgewühlt, von Ungerechtigkeit erschüttert und der brennenden Wunsch flammt in einem auf, aufzuspringen, einzugreifen, denn man weiß, was auch Hamlet weiß, fühlt, was auch Ophelia fühlt.
Dieser aufgestaute Handlungsdrang kann nun in Hamburg in Taten umgewandelt werden.
Das Junge Schauspielhaus soll kein Schmetterling gewesen sein. Es darf nicht aufgenadelt und in den Schaukasten „Vergangene Perlen der Hansestadt“ eingereiht werden.
Freunde des (Jungen) Schauspielhauses: lasst uns gegen das Unrecht stürmen, dem Problem ins Auge blicken, Reden schreibend und schwingend die Hamburger Kulturpolitik aus den Angeln heben. Hamlet musste eine Monarchie erdulden – wir sollten und müssen von unserer Demokratie Gebrauch machen!
Es wäre doch lächerlich, wenn ein dem Fach nicht vertrauter Kultursenator die Hauptrolle in dem äußerst schlechten Stück „Die Leiden des jungen Schauspielhauses“ einnehmen darf! Junges Schauspielhaus, ich schließe mich dir an: „Lieber streitend vergehen!“
Kathrin Dittrich
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Freitag, 8. Oktober 2010
Montag, 28. Juni 2010
Hingehen, anschauen und Ohren spitzen!
Hamlet 25.06.2010 im Malersaal
Sein oder nicht sein ist hier natürlich die berühmte Eingangsfrage. Was ist der Mensch und wie viel Schuld und Trauer kann er ertragen bis zum Wahnsin? Alles wichtige Fragen, die in dieser Inszenierung auch nicht eindeutig beantwortet werden. Dafür sind Schauspieler vorzufinden, die scheinbar aufs Äußerste mit ihren Rollen verschmelzen. Thorsten Hierse überzeugt durch seine Leidenschaft, die nicht nur die Misslichkeit seiner Lage übermittelt, sondern auch zeitweise Humor und Ironie. Er spricht das Publikum szenenweise direkt an - welches dann Teil der „Mausefalle“ wird- aus welchem hin und wieder sein Freund Horatio erscheint, um dann wieder in der Masse zu verschwinden. Nadine Schwitters ist eine herrlich verzweifelte, irre und zerbrechliche Ophelia, die man gerne beschützen möchte. Das Bühnenbild bestehend aus mehreren runden Holzwänden geschmückt mit einigen Schmetterlingen, die die Vergänglichkeit symbolisieren könnten, bietet Dynamik für das Auf- und Abgehen der Schauspieler und das Verstecken voneinander oder auch vor sich selbst. Zudem entstehen Möglichkeiten für die ein oder andere Überraschungsszene, die in ihrer Innovation überzeugt. Jedoch will ich hier lieber nicht zu viel verraten...
In den ca. zwei Stunden war kaum ein Augenblick der Langeweile festzustellen. Dies lag jedoch auch enorm an der grandiosen MUSIK, die durch das Stück hindurch begleitete. So schöne Theatermusik habe ich lange nicht mehr gehört und man möchte gerne immer wieder Inszenierungen in Begleitung von Tobias Vethake und Thomas Esser ansehen. Zudem überzeugte die Passion der MusikerInnen, die durch die Durchmischung von Musik und Schauspiel übermittelt wurde und die Dramaturgie unterstrich. Nadine Schwitters spielt das Cello und die beiden Hauptmusiker an den dunklen Bühnenseiten erklimmen hin und wieder auch selbst das Podest, was vorwiegend in den humorvollen Szenen geschieht.
Dafür sei es auch verziehen, wenn einige vermeintlich wichtige Textstellen oder Zitate ausgespart wurden und der Fokus auf der Liebesbeziehung zwischen Ophelia und Hamlet liegt. Wenn am Ende des Abends nicht besonders viel vom Inhalt oder aufgeworfenen Kontroversen diskutiert werden kann, sondern eher das Schauspiel genossen werden soll, ohne dass es purer Unterhaltung gleicht. Letztlich steht also die Kunst als sie selbst im Vordergrund. Verwendet werden dafür der schauspielende Körper, die Stimme und selbst gemachte Musik. Zum Glück gibt es keine Videoinstallation oder sonstigen Schnick-Schnack. Die Schlichtheit wird durch Ausdruck, Verse und Töne gefüllt.
Am Ende ist das Publikum begeistert, welches bunt durchmischt ist von jungen und älteren Menschen; Paaren, Gruppen und Alleinigen, die sich an diesem schönen Sommertag ins Schauspielhaus wagten.
Teilweise denkt man sich, dass die ein oder andere Szene -besonders von Thorsten Hierse- zu groß gespielt wird, zu groß für die kleine Bühne. Andererseits gibt es für diese Expressionen auch noch die Variante Hamlet XXL im großen Haus und dennoch frage ich mich erneut warum ich nicht häufiger in den Malersaal gehe. Hier wird man nicht nur selten enttäuscht, sondern freut sich sogar über moderne Ausuferungen von Klassikern, weil es passt und gerade heute wurde ich wieder mit einer äußerst befriedigenden Antwort überschüttet, warum ich ins Theater gehe und was Theater als Kunstform alles ausdrücken und vermitteln kann. Also: Hingehen, anschauen und Ohren spitzen!
Lea Toporan
Sein oder nicht sein ist hier natürlich die berühmte Eingangsfrage. Was ist der Mensch und wie viel Schuld und Trauer kann er ertragen bis zum Wahnsin? Alles wichtige Fragen, die in dieser Inszenierung auch nicht eindeutig beantwortet werden. Dafür sind Schauspieler vorzufinden, die scheinbar aufs Äußerste mit ihren Rollen verschmelzen. Thorsten Hierse überzeugt durch seine Leidenschaft, die nicht nur die Misslichkeit seiner Lage übermittelt, sondern auch zeitweise Humor und Ironie. Er spricht das Publikum szenenweise direkt an - welches dann Teil der „Mausefalle“ wird- aus welchem hin und wieder sein Freund Horatio erscheint, um dann wieder in der Masse zu verschwinden. Nadine Schwitters ist eine herrlich verzweifelte, irre und zerbrechliche Ophelia, die man gerne beschützen möchte. Das Bühnenbild bestehend aus mehreren runden Holzwänden geschmückt mit einigen Schmetterlingen, die die Vergänglichkeit symbolisieren könnten, bietet Dynamik für das Auf- und Abgehen der Schauspieler und das Verstecken voneinander oder auch vor sich selbst. Zudem entstehen Möglichkeiten für die ein oder andere Überraschungsszene, die in ihrer Innovation überzeugt. Jedoch will ich hier lieber nicht zu viel verraten...
In den ca. zwei Stunden war kaum ein Augenblick der Langeweile festzustellen. Dies lag jedoch auch enorm an der grandiosen MUSIK, die durch das Stück hindurch begleitete. So schöne Theatermusik habe ich lange nicht mehr gehört und man möchte gerne immer wieder Inszenierungen in Begleitung von Tobias Vethake und Thomas Esser ansehen. Zudem überzeugte die Passion der MusikerInnen, die durch die Durchmischung von Musik und Schauspiel übermittelt wurde und die Dramaturgie unterstrich. Nadine Schwitters spielt das Cello und die beiden Hauptmusiker an den dunklen Bühnenseiten erklimmen hin und wieder auch selbst das Podest, was vorwiegend in den humorvollen Szenen geschieht.
Dafür sei es auch verziehen, wenn einige vermeintlich wichtige Textstellen oder Zitate ausgespart wurden und der Fokus auf der Liebesbeziehung zwischen Ophelia und Hamlet liegt. Wenn am Ende des Abends nicht besonders viel vom Inhalt oder aufgeworfenen Kontroversen diskutiert werden kann, sondern eher das Schauspiel genossen werden soll, ohne dass es purer Unterhaltung gleicht. Letztlich steht also die Kunst als sie selbst im Vordergrund. Verwendet werden dafür der schauspielende Körper, die Stimme und selbst gemachte Musik. Zum Glück gibt es keine Videoinstallation oder sonstigen Schnick-Schnack. Die Schlichtheit wird durch Ausdruck, Verse und Töne gefüllt.
Am Ende ist das Publikum begeistert, welches bunt durchmischt ist von jungen und älteren Menschen; Paaren, Gruppen und Alleinigen, die sich an diesem schönen Sommertag ins Schauspielhaus wagten.
Teilweise denkt man sich, dass die ein oder andere Szene -besonders von Thorsten Hierse- zu groß gespielt wird, zu groß für die kleine Bühne. Andererseits gibt es für diese Expressionen auch noch die Variante Hamlet XXL im großen Haus und dennoch frage ich mich erneut warum ich nicht häufiger in den Malersaal gehe. Hier wird man nicht nur selten enttäuscht, sondern freut sich sogar über moderne Ausuferungen von Klassikern, weil es passt und gerade heute wurde ich wieder mit einer äußerst befriedigenden Antwort überschüttet, warum ich ins Theater gehe und was Theater als Kunstform alles ausdrücken und vermitteln kann. Also: Hingehen, anschauen und Ohren spitzen!
Lea Toporan
Dienstag, 27. April 2010
Hamlet. Der Klassiker.
Diese Hamlet-Inszenierung ist genau das Richtige für alle, die gegen das so geschimpfte Regietheater wettern und es nicht mögen, wenn die künstlerischen Leiter einer Produktion zu offensichtlich und zu viel von ihren eigenen Persönlichkeiten in ein bestehendes Stück einweben. Wer es nicht mag, dass die Rollen aus einer Distanz heraus gespielt werden und kommentiert statt verkörpert werden, der ist hier gut aufgehoben. Zwar wurden die berühmtesten Sätze des Stücks nicht gesprochen und weitere Teile herausgelassen, doch die gewählte Essenz wird auf die Ur-Art dargestellt: durch die Einfühlungs-Art. Die Schauspieler, sie stellen die Rollen weder vor, noch aus, sie denken und fühlen sich in sie hinein und leben sie dann wieder aus. Das gelingt den jungen Schauspielern sehr viel besser als den alten: Der Hamlet (gespielt von Thorsten Hierse) kommt einem geradezu bekannt vor und Ophelia (Nadine Schwitter) zeigt den zerbrechlichen Wahnsinn so wunderschön, dass alleine sie es lohnt, die Inszenierung zu besuchen.
Die musikalische Begleitung macht den Gefühlskreis vollends zu und trägt besonders die Liebesszenen in ungeahnte Sphären. Das darin liegende Kitsch-Potential bleibt Mitfühlern verborgen und brennt sich ins Gedächtnis derer, die das Polit-Drama vermissen.
Wer Hamlet und Ophelia beim Lieben und Leiden beobachten will, sollte sich unbedingt dem Rest des begeisterten Publikums anschließen und die Inszenierung im Malersaal besuchen.
Die musikalische Begleitung macht den Gefühlskreis vollends zu und trägt besonders die Liebesszenen in ungeahnte Sphären. Das darin liegende Kitsch-Potential bleibt Mitfühlern verborgen und brennt sich ins Gedächtnis derer, die das Polit-Drama vermissen.
Wer Hamlet und Ophelia beim Lieben und Leiden beobachten will, sollte sich unbedingt dem Rest des begeisterten Publikums anschließen und die Inszenierung im Malersaal besuchen.
Christina Elisabeth Schäfers
Donnerstag, 1. April 2010
Mann unter Strom - Hamlet reloaded
30.03.2010, Malersaal, Deutsches Schauspielhaus in Hamburg
Es gibt Stücke, die verfolgen einen. Stücke, die sieht man immer wieder. Man beschäftigt sich mit dem Stück, liest es, spielt es. Stellt sich gemeinsam mit dem Protagonisten existentielle Fragen: Wer bin ich? Wohin geh ich? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Fleisch oder Gemüse? Achso, zu fest dies Fleisch. Also doch lieber Gemüse?
Und vor allem die Frage aller Fragen: Sein oder Nichtsein? To be or not to be? Schein oder Sein? Ein Mensch sein oder nicht - das ist die Frage. Fragen stellen, in sich hineinhorchen, lauschen, was da nachhallt. Und schließlich feststellen, dass man am Schluss zu keinem Schluss kommen kann. Es gibt keine Antworten.
Thomas Esser und Tobias Vethake steuern sensibel Musik bei, unterstützt am Cello von Ophelia Nadine Schwitter. Soviel gute Musik gibt es selten am Theater. Man möchte gleich in den nächsten Laden rennen und das Album "Hamlet reloaded" kaufen. Verwiesen sei an dieser Stelle wenigstens auf folgenden Link: http://www.myspace.com/sickerman
"Darkness Follows" from Hamlet, einfach mal reinhören. Die Musikalität bereichert diese von Klaus Schumacher durch und durch durchkomponierte Inszenierung.
Auch das Lichtkonzept ist fabelhaft.
Wer den letzten Hamburger Hamlet im Thalia Theater in der wenig berührenden Inszenierung von Michael Thalheimer gesehen hat, der wird begeistert und dankbar sein. Dankbar dafür, dass diese Inszenierung von der ersten Sekunde an gefangen nimmt, in eine fremde Welt entführt, tief ins Herz trifft und berührt. Begeistert von diesem spielfreudigen Ensemble, allen voran Thorsten Hierse als Hamlet. Seine Präsenz, sein präzises, differenziertes Spiel überzeugen auf ganzer Linie. Dieser Mann steht unter Strom. Er will uns viel mitteilen, er spricht uns direkt an, ja macht uns sogar zu den Darstellern der berühmten "Mausefalle". Hierse beherrscht sie, diese Bandbreite zwischen Komik und Tragik. Auf dieser Klaviatur spielt er virtuos, ohne (wie leider allzu oft bei überambitionierten Schauspielern) gekünstelt zu wirken. Dieser Hamlet ist einfach echt, kein Fake-Hamlet, kein So-Tun-Als-Ob, ganz bei sich und bei uns Zuschauern. Einfach ganz nah dran. Spannender als so mancher lahme Tatort im Ersten. Ein Thriller, der, immer wenn der Geist von Hamlets Vater sich zu Wort meldet, sogar mit surrealen Special Effects punktet. Diesen Dolby-Surround-Sound muss man erleben, den kann man nicht beschreiben. Für Hermann Book ist Erik Schäffler als Polonius eingesprungen. Der Teufel aus dem "Hamburger Jedermann" fügt sich perfekt ins Ensemble und sorgt für einige Lacher.
Am Schluss dann das dramatische Gefecht, untermalt vom spannenden Soundtrack. Im Malersaal solide choreographiert und packend in Szene gesetzt. Schumacher hat es einfach drauf - Shakespeare sensibel heutig, aber nicht hyper-modern zu inszenieren. Da hallt sehr viel nach. Diese Inszenierung ist eine Punktlandung und ein angenehmer Stich ins Herz. Chapeau! So lauten denn auch viele O-Töne von jungen Zuschauern bereits in der Pause: "Cooles Stück!"
Was will man mehr?
Julian Struck
Es gibt Stücke, die verfolgen einen. Stücke, die sieht man immer wieder. Man beschäftigt sich mit dem Stück, liest es, spielt es. Stellt sich gemeinsam mit dem Protagonisten existentielle Fragen: Wer bin ich? Wohin geh ich? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Fleisch oder Gemüse? Achso, zu fest dies Fleisch. Also doch lieber Gemüse?
Und vor allem die Frage aller Fragen: Sein oder Nichtsein? To be or not to be? Schein oder Sein? Ein Mensch sein oder nicht - das ist die Frage. Fragen stellen, in sich hineinhorchen, lauschen, was da nachhallt. Und schließlich feststellen, dass man am Schluss zu keinem Schluss kommen kann. Es gibt keine Antworten.
Thomas Esser und Tobias Vethake steuern sensibel Musik bei, unterstützt am Cello von Ophelia Nadine Schwitter. Soviel gute Musik gibt es selten am Theater. Man möchte gleich in den nächsten Laden rennen und das Album "Hamlet reloaded" kaufen. Verwiesen sei an dieser Stelle wenigstens auf folgenden Link: http://www.myspace.com/sickerman
"Darkness Follows" from Hamlet, einfach mal reinhören. Die Musikalität bereichert diese von Klaus Schumacher durch und durch durchkomponierte Inszenierung.
Auch das Lichtkonzept ist fabelhaft.
Wer den letzten Hamburger Hamlet im Thalia Theater in der wenig berührenden Inszenierung von Michael Thalheimer gesehen hat, der wird begeistert und dankbar sein. Dankbar dafür, dass diese Inszenierung von der ersten Sekunde an gefangen nimmt, in eine fremde Welt entführt, tief ins Herz trifft und berührt. Begeistert von diesem spielfreudigen Ensemble, allen voran Thorsten Hierse als Hamlet. Seine Präsenz, sein präzises, differenziertes Spiel überzeugen auf ganzer Linie. Dieser Mann steht unter Strom. Er will uns viel mitteilen, er spricht uns direkt an, ja macht uns sogar zu den Darstellern der berühmten "Mausefalle". Hierse beherrscht sie, diese Bandbreite zwischen Komik und Tragik. Auf dieser Klaviatur spielt er virtuos, ohne (wie leider allzu oft bei überambitionierten Schauspielern) gekünstelt zu wirken. Dieser Hamlet ist einfach echt, kein Fake-Hamlet, kein So-Tun-Als-Ob, ganz bei sich und bei uns Zuschauern. Einfach ganz nah dran. Spannender als so mancher lahme Tatort im Ersten. Ein Thriller, der, immer wenn der Geist von Hamlets Vater sich zu Wort meldet, sogar mit surrealen Special Effects punktet. Diesen Dolby-Surround-Sound muss man erleben, den kann man nicht beschreiben. Für Hermann Book ist Erik Schäffler als Polonius eingesprungen. Der Teufel aus dem "Hamburger Jedermann" fügt sich perfekt ins Ensemble und sorgt für einige Lacher.
Am Schluss dann das dramatische Gefecht, untermalt vom spannenden Soundtrack. Im Malersaal solide choreographiert und packend in Szene gesetzt. Schumacher hat es einfach drauf - Shakespeare sensibel heutig, aber nicht hyper-modern zu inszenieren. Da hallt sehr viel nach. Diese Inszenierung ist eine Punktlandung und ein angenehmer Stich ins Herz. Chapeau! So lauten denn auch viele O-Töne von jungen Zuschauern bereits in der Pause: "Cooles Stück!"
Was will man mehr?
Julian Struck
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