Freitag, 12. März 2010

Nachrichten aus der ideologischen Antike

Mein erster Gedanke, als ich die Beschreibung des Stücks las, war: Oha. Schon der Titel ließ mich vermuten, dass ich während der Vorstellung schmerzlich daran erinnert werden würde, dass ich im Geschichtsunterricht doch das ein- oder andere Mal nicht aufgepasst habe. Dass es um Marx gehen sollte, verstärkte meine Sorge. Ich sah mich schon vor Scham und Unwissenheit tiefer und tiefer in den Sessel sinken, während der Rest des Publikums der Handlung mühelos folgte.

Doch meine Sorgen sollten sich als weitgehend unberechtigt erweisen. Zwar ließ sich für mich (vielleicht tatsächlich wegen mangelnder Vorkenntnisse) keine zusammenhängende Handlung erkennen, dies wurde aber wett gemacht von den beeindruckenden Charakteren, der faszinierenden, stellenweise unheimlichen Szenerie, und vor allem: durch den subtilen, eigenen Humor der Dialoge.
Da ist der Vogel Fipsi, der so gar nicht wie „Fipsi“ aussieht und doch sofort ins Herz geschlossen wird. Da ist der verrückte Arzt, der dem Meerjungfraumädchen die Beine trennt, damit sie gehen kann. Da ist die Frau mit zwei Köpfen, die sich in den Mann mit zwei Köpfen (oder teilweise ohne Kopf) verliebt. Ja, das klingt verwirrend- ist es auch, aber gerade das macht das Stück aus: Die weltfremde Atmosphäre, der Wechsel zwischen Horror und Humor, die scharf gezeichneten, charismatischen Personen: Ein weiterer Beweis dafür, dass es sich lohnt, sich einfach mal überraschen zu lassen!

Carla Baum

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